Keine gerichtliche Anordnung eines Wechselmodells:


Das so genannte „Wechselmodell“ kommt immer mehr in Mode. Danach leben Kinder, deren Eltern getrennt sind, nicht in erster Linie bei dem einen Elternteil und haben mit dem anderen Elternteil nur Umgang, sondern beide Eltern teilen sich zu etwa gleichen Teilen die Betreuung. Das kann zum Beispiel so aussehen, dass das Kind eine Woche bei der Mutter lebt und in der nächsten Woche beim Vater oder in einer Woche drei Tage bei der Mutter und vier Tage beim Vater und in der nächsten Woche andersrum. Ein solches Betreuungsmodell entspricht zum   einen dem gewachsenen Bedürfnis der Väter, aktiver an der Pflege und Erziehung ihrer Kinder beteiligt zu sein, zum anderen dem Bedürfnis der Mütter, sich trotz Kindern wieder mehr in das Berufsleben einzubringen. Mit dem Wechselmodell ist beides möglich.

 

Nach ganz überwiegender Rechtsprechung kann ein solches Wechselmodell jedoch nicht von einem Elternteil erzwungen werden, sondern es ist nur möglich, wenn beide Eltern es wollen. Sagt ein Elternteil dazu nein, ist dieses Modell in aller Regel vom Tisch. Zwar gab es eine vereinzelt gebliebene Entscheidung des Berliner Kammergerichts, wonach in Ausnahmefällen ein Wechselmodell auch gegen den Willen eines Elternteils familiengerichtlich angeordnet werden kann. In diesem Fall war es jedoch so, dass ein Wechselmodell ausnahmsweise im Hinblick auf das Kindeswohl geboten war und dem eindeutig geäußerten und belastbaren Willen des Kindes entsprach.

 

Auch in der juristischen Literatur gab es Aufsätze, die sich dafür aussprachen, das Wechselmodell auch gegen den Willen des betreuenden Elternteils anzuordnen, etwa um eine totale Verweigerungshaltung dieses Elternteils in Bezug auf den Umgang aufbrechen zu können. Die weit überwiegende Rechtsprechung hat solchen Ansätzen jedoch eine klare Absage erteilt. Es gab in diesem Jahr bereits mehrere obergerichtliche Entscheidungen, die ganz klar festgestellt haben, dass ein Wechselmodell grundsätzlich nicht gegen den Willen eines Elternteils angeordnet werden kann. Dabei wurde ausgeführt, dass die Anordnung eines Wechselmodell nur dann in Betracht käme, wenn die Eltern in der Lage seien, ihre Konflikte einzudämmen, beide hoch motiviert an den Bedürfnissen der Kinder ausgerichtet seien, kontinuierlich kommunizierten und kooperierten, willens und in der Lage seien, sich über ein einheitliches Erziehungskonzept zu einigen und die Vorstellung des jeweils anderen in Fragen der Erziehung zu tolerieren (FamRZ 01/2014, S. 50 ff.).


Bei den meisten Eltern, die sich vor Gericht um Umgang oder Sorgerecht streiten, dürften diese Voraussetzungen nicht vorliegen. Es ist dabei für den nicht betreuenden Elternteil manchmal schwer zu verstehen, dass es dabei auch nicht darauf ankommt, warum es Streit gibt oder wer daran Schuld ist, sondern nur darauf, dass es Streit gibt.