Europarat fordert Wechselmodell als gesetzlichen Standard


Im Kindschaftsrecht ist es bisher die Regel, dass nach einer Trennung ein Elternteil die Betreuung der Kinder übernimmt, fast immer die Mutter, und der andere Elternteil lediglich ein Umgangsrecht bekommt und Unterhalt zahlen muss. Immer beliebter ist jedoch schon seit langem das so genannte Wechselmodell, wonach sich die Eltern die Betreuung des Kindes praktisch hälftig teilen. Da dies jedoch eine Ausnahme zum gesetzlichen Regelfall ist, kann ein solches Wechselmodell von den Gerichten normalerweise nicht angeordnet werden, es kommt nur dazu, wenn beide Eltern dies wünschen. Daran gab es jüngst häufiger Kritik von Familienrechtlern und Väterverbänden.


Nach unserem Grundgesetz darf niemand wegen seines Geschlechts benachteiligt werden. Gesetze und Rechtsprechung führen jedoch zu einer faktischen Diskriminierung der Väter im Kindschaftsrecht.


Nunmehr gibt es eine Resolution des Europarates, der die „Doppelresidenz“, das meint das so genannte Wechselmodell, als Standardmodell in den Gesetzen der europäischen Staaten verankert sehen will. Verbindlich ist diese Resolution nicht, sie wird aber der Diskussion um das Wechselmodell neuen Schwung verschaffen.

 

Die Presse hat darüber berichtet:

http://www.welt.de/politik/deutschland/article147883305/Scheidungskinder-sollen-zwei-Zuhause-haben.html
 

Hier findet sich ein Link zum original Resolutions-Text.
https://familiefamilienrecht.wordpress.com/2015/10/12/europarat-unterzeichnet-resolution-zur-doppelresidenz-als-standardmodell/

Im Spiegel vom 16.01.2016 gab es einen ausführlichen Artikel, der auch die Unterhalt und steuerrechtliche Absurdität unseres Kindschaftsrechts beleuchtet: Ein Vater, der das Kind zu einem guten Teil mitbetreut, also nicht nur am Wochenende Umgang hat, aber eben nicht die Hälfte der Betreuungszeit, wird in Bezug auf Unterhalt, Kindergeld und Steuerfreibeträge genauso behandelt wie ein Vater, der sich überhaupt nicht für sein Kind interessiert und es nie sieht.

http://www.spiegel.de/suche/index.html?suchbegriff=alltag+mit+papa
 

Allerdings hat die Rechtsprechung auch hier zu jüngst schon Ausgleichsmöglichkeiten entwickelt.